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Volksmärsche in Hechingen-Stetten und Konstantin von Bayern

Die Volksmärsche in Hechingen-Stetten haben eine lange Tradition, welche sich tatsächlich zuerst aus einer ganz anderen Richtung als dem Wandern entwickelten. Mitte der 1960er-Jahre wurde nämlich ein Förderverein zum Bau der Mehrzweckhalle in Stetten gegründet.[1]

Für den Bau der Halle galt es nun, über den Förderverein, Gelder zu erwirtschaften. Durch die immer bekannter und beliebter werdenden Volksmärsche kam auch in Stetten die Idee auf, solche Märsche zu organisieren und durch die Teilnahmegebühren und die Verpflegungseinnahmen die Vereinskasse für den Bau der Halle zu unterstützen. Das Problem dabei war, so berichten Franz Buckenmaier, ehemaliger Ortsvorsteher und Vorstand des TSV Stetten, und Herr Wolfgang Dorn, Schriftführer der Wanderfreunde Stetten-Hechingen e.V., dass ein solches Sportereignis nur von einem Sportverein geplant und durchgeführt werden durfte. Und so kam der TSV Stetten mit ins Boot.

Als damaliger Vorsitzender des Sportvereins fuhr Franz Buckenmaier gemeinsam mit Herrn Bernhard Pröpster, damaliger erster Vorstand des Fördervereins Mehrzweckhalle, zur Hauptversammlung des Deutschen Volkssportverbandes in Oberbayern. Dort ließen sie sich eine Lizenz für die jährlichen Volksmärsche in Stetten ausstellen.[2]

Weiter berichteten Herr Buckenmaier und Herr Dorn, dass sich diese Zeit mit dem Unglück des Flugzeugabsturzes des Prinzen Konstantin von Bayern in Hechingen-Boll überschnitten hatte.

Am 30. Juli 1969 kam Konstantin Prinz von Bayern, der Ururenkel von König Ludwig I., bei einem Absturz mit einem Privatflugzeug ums Leben. Mit ihm starben zwei weitere Insassen des Flugzeugs.[3]

Das traurige Ereignis nahmen die Stettener Vereine zum Anlass und veranstalteten 1970 den ersten Gedächtnismarsch zu Ehren Konstantins von Bayern. In den darauffolgenden Jahren nahm der TSV Stetten selbst an unzähligen Märschen in Süddeutschland und auch Österreich teil und konnte bei seinen eigenen jährlichen Märschen teilweise bis zu 6.000 Teilnehmende begrüßen.

Die Teilnehmenden der Volksmärsche erhielten traditionell eine Medaille. Auf den Medaillen der Volksmärsche in Stetten wurden unterschiedlichste Motive abgebildet, im ersten Jahr war es Konstantin Prinz von Bayern sowie die Klosterkirche Stetten. In den darauffolgenden Jahren wurden verschiedene Sagen aus Hechingen abgebildet, dazu gehörten unter anderem „Der Höllische Schuss“, „Die Sage von Maria Zell“ oder auch die Sage vom „Schame Degen“.

Die Einnahmen der Volksmärsche flossen überwiegend in den Bau der Merkzweckhalle und wurden an den Förderverein weitergegeben. Später organisierte der TSV Stetten dann zur Aufbesserung der eigenen Vereinskasse die Wintermärsche in Stetten. Nach Fertigstellung der Mehrzweckhalle 1974 löste sich die Wandergruppe des TSV Stetten 1977 ab und ein separater Wanderverein wurde gegründet, die Wanderfreunde Stetten-Hechingen e.V., welcher noch viele Jahre weitere Volksmärsche in Hechingen organisierte.

Insgesamt fanden in Hechingen-Stetten 50 Volks- und Wintermärsche statt, der letzte im Jahr 2013. Der Wanderverein Stetten besteht weiterhin, hat seine Aktivitäten jedoch reduziert.[3]

Konstantin von Bayern Gedächtnismarsch StettenKonstantin von Bayern Gedächtnismarsch Stetten RS2. internationaler Volksmarsch Stetten Höllischer Schuss3. internationaler Volksmarsch Maria Zell4. internationaler Volksmarsch Öttinger5. internationaler Volksmarsch Weiße FrauWintermarsch Stetten 1972Volksmarsch 1979 Schame Degen

Die Medaillen stammen einerseits von Bodo Seidel und andererseits von Ulrich Hinck.

Eine kurze Erklärung zur Medaille „1976 TSV Stetten – Schame Degen“

„Vom Schamental geht die Sage, dass sich zwei Zollernbrüder um das Erbe stritten. Beim Zweikampf stürzte der eine und der andere erstach ihn im Jähzorn. Die letzten Worte des gemeuchelten Grafen sollen „Schame Degen“ gewesen sein.

Hier haben wir ein Beispiel, wie aus einem Flurnamen aus alter Zeit, dessen ursprünglicher Sinn verloren ging, eine Sage entstand.“[4]

[1] Vgl. Schwarzwälder Bote: Das Wandern hat große Tradition, 28.07.2017.

[2] Vgl. Schwarzwälder Bote: Die Wanderfreunde Stetten gibt es seit 40 Jahren, aber die Vereinsaktivitäten werden weniger, 28.07.2012.

[3] Vgl. Biesinger, Ralf: Südwest Presse, 30. Juli 2019.

[4] Vgl. Maurer, Hedwig: Schamental = Friedrichstal, Hohenzollerische Heimat, März 2001, 51. Jahrgang, S.61.