Hohenzollerisches Landesmuseum
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    72379 Hechingen

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    Ansprechpartner: David Hendel

    Die Hechinger Mondsichelmadonna im Hohenzollerischen Landesmuseum 

    Landrat Pauli vermittelt Leihgabe des OEW

    Ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art hat das Hohenzollerische Landesmuseum bekommen: eine sogenannte Mondsichelmadonna, geschnitzt um 1610 und zugeschrieben dem Hechinger Gastwirt und Holzbildhauer Zachäus Taubenschmid. Die lebensgroße Maria mit Kind war im Dezember beim Stuttgarter Auktionshaus Nagel zur Versteigerung gekommen und dort hatte sie der Rottweiler Kreisarchivar und Kreiskulturamtsleiter Bernhard Rüth entdeckt und für die OEW ersteigert. Rüth berät als Kunstsachverständiger den Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke, und dieser macht sich bereits seit den 1950er Jahren für die Kunst und die historische Forschung in den Mitgliedslandkreisen stark - mit vorrangigem Ziel, die erworbenen Kunstwerke vor Ort auszustellen.

    Mondsichelmadonna

    Landrat Günther-Martin Pauli, Mitglied des Verwaltungsrats und der Verbandsversammlung der OEW, war es dann, der das prächtige Kunstwerk mit Hechinger Bezug an das Hohenzollerische Landesmuseum weiterleitete - und zwar als Dauerleihgabe der OEW. Der Zollernalbkreis ist mit rund 8% beteiligt.

    Der Hechinger Bezug ist unübersehbar, denn wohl die meisten Hechinger kennen die Figur: sie prangt seit jeher am Haus der Goldschmiedstraße 6, dem ehemaligen Haus des Chorherrenstifts St. Jakobus. Dort wurde die Figur allerdings bereits vor etlichen Jahren durch einen überzeugend echt wirkenden Acrylabguss ersetzt.

    Kopie Mondsichelmadonna Goldschmiedstraße

    Zugeschrieben wird die Schnitzarbeit dem Hechinger Gastwirt und Holzbildhauer Zachäus Taubenschmid. Er und sein bekannterer Bruder und Vollzeit-Bildhauer Joachim Taubenschmid stammen aus Hausen im Killertal und waren angesehene Holzbildhauer in den Jahrzehnten um 1600. Joachim Taubenschmid hat die Kreuzwegstationen für die Kapelle des Hechinger Vierflügel-Renaissanceschlosses geschnitzt, dieser ist im Hohenzollerischen Landesmuseum bereits ein Raum mit Taubenschmid-Figuren gewidmet. Und genau hier hat Museumsleiter David Hendel einen Platz für die stattliche, bunte und sauber restaurierte Figur gefunden, die nun mit den naturbelassenen Leidensdarstellungen des Bruders in Beziehung tritt.

    Am Dienstag, 12.01.2021, haben Landrat Günther-Martin Pauli und Bürgermeister Philipp Hahn die Figur in Ihrem neuen Ausstellungszusammenhang besichtigt und waren sogleich von der hohen Qualität angetan. Die hervorragende Gestaltung des Faltenwurfs der Maria, die prunkvoll ausgearbeiteten Kronen von Mutter und Kind - zweifelsohne das Werk eines Meisters. Was aber hat es mit der Mondsichel auf sich? Ursprünglich handelte es sich bei dem Figurentypus gar nicht um Maria, sondern um die Darstellung einer von einem Drachen verfolgten schwangeren Frau aus der Offenbarung des Johannes, der Apokalypse. Spätestens in der Gotik wandelte sich die Figur zur Madonna, vielfach wurden sogar Madonnendarstellungen mit einem Mond nachgerüstet.

    Termin Leihgabe Mondsichelmadonna

    Bürgermeister Hahn und Museumsleiter Hendel bedankten sich bei Landrat Pauli dafür, dass dieser die Leihgabe für das Landesmuseum in die Wege geleitet hatte. Der Wermutstropfen: das Museum ist coronabedingt geschlossen. Bis zur hoffentlich baldigen Wiederöffnung können die Hechinger die Mondsichelmadonna in der Goldschmiedstraße bestaunen. Ein Vergleich mit dem Exemplar im Museum lohnt sich aber allemal: von der gleichen Warte aus betrachtet wirken Maria und das Jesuskind deutlich größer.
    Text und Bilder: Thomas Jauch