IiQ allgemein


    IiQ - Interessantes im Quartal

    Dieses kleine Präsentationsformat stellt alle drei Monate, also in jedem Quartal, ein Objekt, eine Begebenheit oder etwas anderes Spannendes und Interessantes aus dem Museum bzw. seinem Umfeld vor. Man erfährt sicher immer wieder etwas Neues; aus den unterschiedlichsten Bereichen.

    Sie sind herzlich eingeladen sich diese kleine und kostenfreie Präsentation im Foyer des Museums anzusehen – und sich Appetit auf die große Ausstellung und Sonderausstellungen zu holen.

    Kommen Sie zu den Öffnungszeiten einfach herein:
    Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 14.00 bis 17.00 Uhr.


    aktuelle IiQ-Präsentation

    Die Bierhochschule Ohrenfanz

    Eine Hechinger Hochschule?
     
    Wussten Sie, dass es in Hechingen ab 1877 eine Hochschule gab? Sie trug den vielsagenden Namen „Bierhochschule Ohrenfanz“.
    Aber eigentlich war es keine echte Hochschule, in der Studenten auf das Berufsleben vorbereitetet wurden, sondern es war ein Zusammenschluss mehrerer Herren, die dem Gerstensaft sehr nahe standen.
     
    Am 6. September 1877 gründeten acht Männer im Gasthaus Museum eine Männergesellschaft mit dem Namen „Bierhochschule Ohrenfanz“. Der Zusatz „Ohrenfanz“ (von der hiesigen damaligen Bezeichnung „Ohrenfänzeler“ für Ohrwurm: Ohrawusler/Ohrenwurzler, Orhrenzwicker/Ohrenkneifer), kam daher zustande, dass sich im Sommer im Biergarten des Museums sehr viele dieser Tiere aufhielten. Das allein schon charakterisiert die Bierhochschule als humorträchtige, lockere und nicht bierernste Vereinigung der Mitglieder.
     
    Die Mitglieder waren aber keineswegs Trunkenbolde oder oberflächliche Menschen, die nur um des Trinkens willen zusammenkamen. Nein, es waren hochangesehene, erfolgreiche und pflichtbewusste Männer der Stadtgesellschaft. Vor allem Geschäftsleute und Beamte stellten das Gros der Mitglieder. So bspw. Konrad Mayer (späterer Stadtschultheiß), Maximilian von Ehrenberg (preußischer Verwaltungsbeamter),  Forstmeister Konstantin Lintner, Hoftapezierer Bühler und auch Ludwig Egler (Schriftsteller und Verfasser der ersten Hechinger Chronik). Diese bekleideten auch die hohen Ämter innerhalb des Ohrenfanzes.
    Zu diesen Ämtern gehörten der Rektor, die Dekane, die Bierrichter, die Schriftführer (Syndici) und die Kassierer (Quästoren). Man traf sich in den Hörsälen, also den Gasthäusern, und hielt „Vorlesungen“, was bedeutete, dass man nur das Beste Bier trank. Wobei aber das Hechinger Bier keinen guten Ruf hatte. Es wurde u.a. als „Hudelgaier Bitterwasser“ und sogar als „Schwabentod“ bezeichnet.  Aber es wurde nicht nur Bier getrunken, sondern es wurde auch gesungen, aus eigens erstellten Kommersbüchern (Liederbüchern), gedichtet und über Politik diskutiert.

    Bierhochschule Ohrenfanz Hechingen

    Die Quellen zum Aufbau und den Aktivitäten des Ohrenfanzes sind in der Hohenzollerischen Heimatbücherei einzusehen. Dort lassen sich auch Akten zu einer Strafsache innerhalb des Ohrenfanzes finden. So wurden bspw. Franz Bühler und Joseph Zirn wegen „intellectueller Urkundenfälschung“ zu einem Fass Bier verurteilt. Darüber hinaus gibt es allerdings nur eine bekannte, nachträgliche Außendarstellung von Walter Sauter. Dieser beschrieb 1939/40 dass die Bierhochschule ein „antisemitischer Hechinger Verein“ [1] sei. Doch diese Wertung scheint dem politischen und gesellschaftlichen Umfeld bzw. Druck des Nationalsozialismus geschuldet zu sein. Denn erstens deckt sich das nicht mit der vereinseignen Satzung, in der es lediglich in § 5 heißt, dass keine „Zigeuner“ aufgenommen werden. Und zweitens war das Verhältnis in den 1870/80ern von Juden und der übrigen Stadtgesellschaft durchaus sehr positiv. Denn durch die jüdischen Textilunternehmer hatten viele Hechinger eine Arbeit; die Industrialisierung wäre ohne die Hechinger Juden kaum denkbar gewesen. Die mehrheitlich liberalen jüdischen Bewohner waren zudem auch in dieser Zeit nicht gerade zahlreich und ebenfalls angesehen und tüchtig. Diese „Judenfeindlichkeit“ hatte zur Gründung 1877 sicherlich keinen Bestand, sondern ist im nationalsozialistischen Rückblick auf die Bierhochschule übertragen worden.[2]
    Aufgelöst hat sich die Bierhochschule Ohrenfanz aber bereits wieder nach 12 Jahren im Jahre 1889. Grund soll – laut Sauter – die unterlassene „Fernhaltung der Frauen aus dem Vereinsleben“ gewesen sein, da diese „Streitigkeiten und Uneinigkeit in die Ohrenfanzgesellschaft“ brachten. Ein Beweis bleibt bis heute aus.
     
    Die schmucke Anstecknadel mit einem originalgetreuen Ohrwurm wurde von Frau Gisela Seitz aus Sipplingen dem Museum geschenkt. Hintergrund ist der, dass ihr verstorbener Ehemann Nachfahre der Wirtsfamilie Seitz des Hotels Linde-Post am Obertorplatz war. Nachweislich waren ein Friedrich und ein Heinrich Seitz Mitglieder des Ohrenfanzes. Letzterer hat das Wappen gezeichnet und auch vermutlich die Anstecknadel besessen.
    Die Stiftungsurkunde der Gesellschaft ist selbstverständlich nicht „echt“. Das bedeutet, dass diese von den Mitgliedern selbst verfasst und erstellt wurde. So gab es in der Geschichte keinen Herzog Kilian XI. von Brabant.
    Die übrigen Objekte und Dokumente sind Leihgaben der Hohenzollerischen Heimatbücherei und wurden freundlicherweise von Rolf Vogt für die Dauer des IiQ zur Verfügung gestellt.
     
    Alle Dokumente und Objekte sind zu den normalen Öffnungszeiten im Hohenzollerischen Landesmuseum kostenfrei zu besichtigen.

    [1] Vgl. Das Bunte Blatt der Hohenzollerischen Blätter, 20./21. Mai 1939 (Signatur HHB: Q 24); Hechinger Heimatbilder (1940), S. 12-25 (hier auch einige Lieder abgedruckt).
    [2] Vgl. Casimir Bumiller: Juden in Hechingen, ohne Jahr. S. 45-51.



    Vergangene IiQ-Präsentationen:


    Juli bis September 2020
    Kuriose Hohenzollern-Souvenirs
    Die Burg Hohenzollern als Motiv auf einer Muschel, einem Porzellan-Schuh, einem Maßband, einem Stopf-Ei, einem Zigarillo-Etui und einer Spardose.
    Alle Souvenirs stammen aus der Sammlung von Tobias Matheis aus Hechingen.

    Mai bis Juni 2020
    Zurück in Hechingen
    Zwei „Originale“ im Hohenzollerischen Landesmuseum

    Das Stadtmüller Ehepaar Michael und Crescentia Pfister ließ sich in den 1840er Jahren portraitieren und zwar mit Pastellkreide. Die beiden Gemälde erzählen die Geschichte der Familie Pfister in Hechingen. Wann, wie wo arbeitete Michale Pfister, welcher Kinder hatten beide und was ist aus den geworden.

    Januar bis März 2020
    Närrisches IiQ

    Ein Ölgemälde das das Ehrsame Narrengericht zu Grosselfingen zeigt (gemalt 1934). Eine Katzen-Maske der Narrenzunft Horig aus Gammertingen und drei Abzeichen/Orden der Narrhalla Hechingen.

    Oktober - Dezember 2019
    Ein "Nodenbuch" der Kirchengesänge

    Ein etwa 450 Jahre altes, handschriftliches, lateinisches Notenbuch, ein Antiphonar. Darin enthalten sind die Melodien und Texte der Gesänge des Stundengebets, sowie zugehörige Psalmen, Responsorien und Hymnen, welche nach dem Kirchenjahr angeordnet sind.

    Juli - September 2019
    Tapetenfragmente aus dem Alten Schloss

    Überreste von Wanddekorationen aus fürstlicher und bürgerlicher Nutzungszeit. Ebenso ein Blick auf den ehemaligen Hoftapezierer Franz Bühler.

    April - Juni 2019
    "Überraschungskiste"
    Die IiQ-Präsentation widmete sich dem Inhalt einer kleinen Kiste. Diese wurde beim Umräumen im Museum, Ende 2018, wiederentdeckt. Darin befanden sich überraschenderweise die hier ausgestellten Objekte, wie einen Schuh, ein kleines Fläschchen mit Inhalt, ein Werbeschild für Menier-Schokolade, Gebiss-Modelle und anderes. Schon beim Umbau des Alten Schlosses in den Jahren 2000 bis 2004 wurden diese Objekte auf dem Dachboden gefunden.

    Januar - März 2019
    Das Neue Schloss - 200 Jahre Burnitz-Bau
    Die IiQ-Präsentation widmete sich dem Gebäude gegenüber dem Museum, nämlich dem Neuen Schloss. Anlass war das 200-jährige Jubiläum der Fertigstellung des Schlossbaus 1819. Der Entwurf stammte von dem Frankfurter Architekten Rudolf Burnitz. Der Schwerpunkt der kleinen Ausstellung liegt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu sehen gibt es originale Objekte wie einen Puttenkopf und geschmiedete Nägel sowie seltene Ansichten und Pläne, ergänzt durch Informationen über den Bau und seinen Architekten.

    Oktober - Dezember 2018
    Die Hohenzollerische Hochzeit 1598

    Die Hochzeit des Erbfolgers Johann Georg von Hohenzollern-Hechingen mit Franziska Wild- und Rheingräfin von Salm-Neufville war eines der größten Feste der Renaissance in ganz Südwestdeutschland. Zu den knapp 1000 Stadtbewohnern gesellten sich nochmals 1000 Gäste der Hochzeit, welche aus Brunnen mit Wein und anderen Köstlichkeiten versorgt wurden. Zum 420. Jubiläum wurde auch der Künstler Konrad Weigand und der Dichter Jakob Frischlin in den Fokus gerückt.