IiQ allgemein


    IiQ - Interessantes im Quartal

    Dieses kleine Präsentationsformat stellt alle drei Monate, also in jedem Quartal, ein Objekt, eine Begebenheit oder etwas anderes Spannendes und Interessantes aus dem Museum bzw. seinem Umfeld vor. Man erfährt sicher immer wieder etwas Neues; aus den unterschiedlichsten Bereichen.

    Sie sind herzlich eingeladen sich diese kleine und kostenfreie Präsentation im Foyer des Museums anzusehen – und sich Appetit auf die große Ausstellung und Sonderausstellungen zu holen.

    Kommen Sie zu den Öffnungszeiten einfach herein:
    Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 14.00 bis 17.00 Uhr.


    aktuelle IiQ
    15.5. bis 30.6.2020


    - Zurück in Hechingen -
    Zwei „Originale“ im Hohenzollerischen Landesmuseum



    IiQ Stadtmüller Ehepaar Pfister

    Im vergangenen November konnten diese beiden Gemälde, aufgrund des Hinweises der Hirrlinger Bürgermeisters Christoph Wild, für das Hohenzollerische Landesmuseum ersteigert werden und wurden im Dezember im Museum in Empfang genommen. Daraufhin wurden diese erst einmal zur Akklimatisierung ins Depot gebracht.
    Währenddessen begann die Recherche nach weiteren Informationen bezüglich der Provenienz, also der Herkunft der Objekte und der abgebildeten Personen.
    Die abgebildeten Personen sind zweifelsfrei als das Ehepaar Crescentia und Micheal Pfister aus Hechingen zu identifizieren. Nicht zuletzt, da die Beschriftungen auf den Rückseiten „genaue“ Angaben zu den Abgebildeten geben.
    Die Dame, Crescentia Pfister (geborene Gunz), wurde 1776 in Burladingen geboren und heiratete noch dort am 16. Februar 1813 den ebenfalls gebürtigen Burladinger Michael Pfister.
    Auf der Rückseite ihres Bildes sind ihr Name, ihre Lebensdaten und ihre „Position“ als „Frau des Michael Pfister Stadtmüller“ angegeben. Wobei sich der Schreiber bezüglich ihres Sterbedatums geirrt hat, sie starb nämlich am 28. September 1854.
    Der Herr, Michael Pfister, wurde am 1.2.1790 ebenfalls in Burladingen geboren. Er taucht erstmals 1821 als Müller in Hechingen auf und war vermutlich Pächter der Streckenmühle in der Friedrichstraße. Im Laufe seines Lebens betrieb Michael Pfister als Pächter mehrere Mühlen in Hechingen. So 1835 die Stadtmühle (Mühlstraße 7), 1839 die „Gypsmühle auf dem Weiher“, 1839/40 eine neue „Hanf-, Reib-, und Oelmühle“ (Neustraße 23) und 1849 die „mittlere Mühle auf der Friedrichstraße“ (früher Wüstenmühle).
    Pfister erwarb auch 1839 einen Stall der zur Stadtmühle gehörte, riss ihn ab und baute ein Haus, das ihm und seiner großen Familie genügend Platz bot (Primärkatasterplan 443b). Michael Pfister starb am 29. Juni 1852 in Hechingen und hiterließ neben seiner Frau noch sechs (nachweisbare) Kinder, nämlich die fünf Söhne Richard (1812-1880), Constantin, Leopold, Ferdinand und Michael, sowie ein Mädchen namens Crescentia (1827-1871), welche den Kreisgerichtsrat Franciscus Fecker heiratete. Es gab noch drei weitere Töchter, zu denen es aber kaum Informationen gibt: Maria Anna (geb. 1816); Barbara (geb. 1822) und eine unbenannte Tochter welche 1834 nach der Geburt gleich verstarb.
    Vier der fünf Söhne wurden ebenfalls Müller, wobei Ferdinand (1820-1861) als Müller nach Owingen ging. Nur der jüngste Sohn Michael (1823-1891) schlug eine juristische Laufbahn ein und wurde Landgerichtsrat.
     
     
    Das Gemälde von Crescentia Pfister war schon 1982 in die Öffentlichkeit geraten und zwar im Buch „Hechingen und Zoller-Burgen in alten Ansichten“ von Karl Mors. Darin wird ihr Bild auf Seite 82 gezeigt, mit dem Hinweis, dass es sich um ein Ölgemälde (in Privatbesitz) einer Bürgersfrau um 1840 handeln soll. Nun ist zweifelsfrei festzustellen, dass es sich um ein Pastellkreide-Bild handelt und ihr Name nun auch bekannt ist. Die Zeit um 1840 kann als Entstehungszeit betrachtet werden.
    Ein weiterer Hinweis im Buch ist, dass der Künstler „F. Schlotterbeck“ gewesen sein soll. Das „F.“ lässt sich wohl als Friedrich auflösen und meint den Sohn des Malers und Kupferstechers Jakob Christian Schlotterbeck (1757-1811); von ihm stammt auch ein Bild hier im Museum „J. F. A. von Staader“ in der Barock-Abteilung.
    Friedrich Schlotterbeck hat nachweislich einige Lithographien mit J. C. Daiker (heute Fotogeschäft Keidel) angefertigt. Leider ist keine Signatur auf den Bildern zu sehen. Aber im Depot des Museums sind noch weitere Porträts, die stark vermuten lassen, dass alle von ein und derselben Hand gemalt wurden. Ein letzter Hinweis darauf, dass Friedrich Schlotterbeck viele Hechinger portraitiert hat ist, dass nachweislich das Ehepaar Christian Heyse und Franziska Clara (geb. Witzemann) von Friedrich Schlotterbeck in gleicher Manier 1852 gemalt wurden[1]. Möglicherweise steht das „F“ auch für Ferdinand, so nachzulesen bei Otto Werners Biographischen Notizen.
    Die Maltechnik und Zustände:
    Da die Pastell-Pigmente auf Papier/Karton nur sehr schwach haften, sind Pastelle sehr empfindlich. Die Farben werden in staubigen Schichten aufgetragen und mit den Fingern oder speziellen Pinseln verwischt. Daher muss man solche Gemälde hinter Glas schützen. Das Glas bei Crescentia ist ein erneuertes moderneres Glas, das glatt und ohne Blasen ist. Das Glas bei Michael Pfister könnte noch das originale (mundgeblasene) Glas sein, da es „welliger“ ist und Blasen beinhaltet. Ebenso haben beide den gleichen schwarzen breiten Holzrahmen, sowie eine Papierrückseite, die mit dem Rahmen verklebt worden ist. Auf diesen Rückseiten stehen die oben genannten weiteren Informationen zu beiden Personen (Sehen Sie dazu die abfotografierten Ausdrucke der Rückseiten und die Transkriptionen).
    Auf den Rückseiten ist noch zu lesen „F. Seitz 1893“ was zu Friedrich Seitz (1861-1947) führt. Dieser war Rektor des königlichen Realgymnasiums in Hechingen und stammt aus der Familie Seitz, die Gastwirte und Posthalter in der „Linde-Post“ am Obertorplatz waren. Des Weiteren einen „W.[ilhelm] Pfister“, seines Zeichens Justizinspektor in Hechingen, der diese Bilder von Rektor Seitz im Herbst 1934 erhalten habe. 
     
    Großen Dank gebührt den Herren Rolf Vogt von der Hohenzollerischen Heimatbücherei, Thomas Jauch vom Stadtarchiv Hechingen und besonders Dietrich Bulach, welcher trotz „Corona“ und Neuseeland-Evakuierung, detaillierte Informationen zur Familie Pfister beisteuerten und falsche Angaben auf den Rückseiten berichtigten.

    [1] Auktion bei Kiefer (Pforzheim), Februar 2013.


    Vergangene IiQ-Präsentationen:


    Januar bis März 2020
    Närrisches IiQ

    Ein Ölgemälde das das Ehrsame Narrengericht zu Grosselfingen zeigt (gemalt 1934). Eine Katzen-Maske der Narrenzunft Horig aus Gammertingen und drei Abzeichen/Orden der Narrhalla Hechingen.

    Oktober - Dezember 2019
    Ein "Nodenbuch" der Kirchengesänge

    Ein etwa 450 Jahre altes, handschriftliches, lateinisches Notenbuch, ein Antiphonar. Darin enthalten sind die Melodien und Texte der Gesänge des Stundengebets, sowie zugehörige Psalmen, Responsorien und Hymnen, welche nach dem Kirchenjahr angeordnet sind.

    Juli - September 2019
    Tapetenfragmente aus dem Alten Schloss

    Überreste von Wanddekorationen aus fürstlicher und bürgerlicher Nutzungszeit. Ebenso ein Blick auf den ehemaligen Hoftapezierer Franz Bühler.

    April - Juni 2019
    "Überraschungskiste"
    Die IiQ-Präsentation widmete sich dem Inhalt einer kleinen Kiste. Diese wurde beim Umräumen im Museum, Ende 2018, wiederentdeckt. Darin befanden sich überraschenderweise die hier ausgestellten Objekte, wie einen Schuh, ein kleines Fläschchen mit Inhalt, ein Werbeschild für Menier-Schokolade, Gebiss-Modelle und anderes. Schon beim Umbau des Alten Schlosses in den Jahren 2000 bis 2004 wurden diese Objekte auf dem Dachboden gefunden.

    Januar - März 2019
    Das Neue Schloss - 200 Jahre Burnitz-Bau
    Die IiQ-Präsentation widmete sich dem Gebäude gegenüber dem Museum, nämlich dem Neuen Schloss. Anlass war das 200-jährige Jubiläum der Fertigstellung des Schlossbaus 1819. Der Entwurf stammte von dem Frankfurter Architekten Rudolf Burnitz. Der Schwerpunkt der kleinen Ausstellung liegt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu sehen gibt es originale Objekte wie einen Puttenkopf und geschmiedete Nägel sowie seltene Ansichten und Pläne, ergänzt durch Informationen über den Bau und seinen Architekten.

    Oktober - Dezember 2018
    Die Hohenzollerische Hochzeit 1598

    Die Hochzeit des Erbfolgers Johann Georg von Hohenzollern-Hechingen mit Franziska Wild- und Rheingräfin von Salm-Neufville war eines der größten Feste der Renaissance in ganz Südwestdeutschland. Zu den knapp 1000 Stadtbewohnern gesellten sich nochmals 1000 Gäste der Hochzeit, welche aus Brunnen mit Wein und anderen Köstlichkeiten versorgt wurden. Zum 420. Jubiläum wurde auch der Künstler Konrad Weigand und der Dichter Jakob Frischlin in den Fokus gerückt.